Denken wird billig. Urteil wird teuer
Es gibt eine Zahl, die die Wissensarbeit noch nicht verdaut hat: null.
Wer es nicht glaubt, kann es heute Abend ausprobieren. Man nehme eine strategische Frage, an der ein Beratungsteam vor drei Jahren sechs Wochen gearbeitet hätte — Markteintritt, Restrukturierung, Wettbewerbsanalyse, egal. Man stelle sie einem der großen KI-Systeme, gut formuliert, mit etwas Kontext. Was zurückkommt, nach ungefähr vierzig Sekunden: eine Analyse mit sauberer Gliederung, plausiblen Szenarien, durchdachten Gegenargumenten und einer Zusammenfassung in Vorstandsprosa. Nicht fehlerfrei. Aber auf einem Niveau, für das bis vor Kurzem sechsstellige Honorare fakturiert wurden. Kostenpunkt: null Euro. Oder zwanzig im Monat, wenn man es komfortabel mag.
Das ist die neue Grundtatsache der Wissensarbeit, und sie ist so einfach, dass man sie leicht überliest: Einen Preis von null kann man nicht unterbieten. Man kann es nur noch nicht glauben.