Denkhaltungen und Mindsets für iterative Strategieentwicklung. Ein systemtheoretisches Konzept für Unternehmer und CEOs.
31.01.2026 / Michael Geiss
*** Details for Clients only ***
Strategy Rooms: Das innere Spiel der Strategieentwicklung
Strategiearbeit ist kein linearer Prozess, sondern ein Denken in Räumen. Die Strategy Rooms bilden das architektonische Herzstück eines systemischen Strategieansatzes – sie strukturieren nicht, was zu tun ist, sondern wie gedacht wird. Wenn Stratege und Klient gemeinsam in einen Room eintreten, steuern sie bewusst das Mindset, die Haltung, die Qualität der Fragen.
Sechs Räume, sechs Denkweisen
Jeder Room fordert eine spezifische innere Haltung:
Der Exploration Room verlangt den Scout – jemanden, der die Wahrnehmung öffnet, ohne zu urteilen. Hier geht es darum, Anomalien zu erkennen statt Bestätigung zu suchen, Veränderung zu denken statt Stabilität zu verteidigen. Die Kernfrage lautet: Was geschieht gerade – innen und außen?
Im Focus Room arbeitet der Architekt. Seine Aufgabe ist Reduktion: den Vektor erkennen, Optionen wegschneiden, die Logik des Gewinnens konstruieren. Hier wird definiert, was wir tun – und was wir bewusst nicht tun werden.
Der Incubation Room gehört dem Creator. Hier entstehen Varianten, hier wird in Optionen gedacht statt in Lösungen. Bekannte Muster werden neu kombiniert, bis etwas Unerwartetes sichtbar wird.
Im Validation Room regiert der Scientist. Seine Haltung: Verliebe dich nicht in die Lösung, sondern in das Problem. Suche nach Beweisen, dass du mit deiner Lösung falsch liegst. Prüfe Resonanz. Lass Daten sprechen. Gewinne Evidenz.
Der Alignment Room erfordert den Diplomat. Wer versteht die Wechselwirkungen? Wer verliert durch das Neue? Wo knirscht das System? Hier werden Brücken gebaut und Widerstände antizipiert.
Im Impact Room schließlich übernimmt der Captain. Jetzt gibt es Entscheidungen für eine stringente Exekution. Die Kernfrage verschiebt sich: Wie prägen wir das System dauerhaft?
Die spiralförmige Bewegung
Das Besondere der Strategy Rooms liegt nicht in den einzelnen Räumen, sondern in ihrer Anwendungslogik. Es gibt keinen Zyklus mit definiertem Anfang und Ende. Stattdessen bewegt sich die Strategiearbeit spiralförmig durch die Räume – jeder Durchgang verschiebt Perspektive und Erkenntnistiefe.
Eine Störung mag den Einstieg im Exploration Room nahelegen. Doch die Erkenntnisse dort führen vielleicht direkt in den Validation Room, bevor überhaupt fokussiert wird. Oder ein vermeintlich klarer Fokus löst sich im Incubation Room wieder auf, weil neue Optionen sichtbar werden. Die Spirale erlaubt Rückschritte, Sprünge, Iterationen – aber keine Beliebigkeit. Jeder Raumwechsel ist eine bewusste Entscheidung über die Qualität des nächsten Denkschritts.
Das richtige Mindset zur richtigen Zeit
Die eigentliche Kunst liegt im Erkennen, welcher Raum gerade gebraucht wird. Zu früh im Impact Room zu landen führt zu Aktivismus ohne Fundament. Zu lange im Exploration Room zu verweilen verhindert Entscheidungen. Die Strategy Rooms sind daher kein Werkzeug, das man anwendet, sondern eine Disziplin, die man entwickelt.
Für Strategen bedeutet das: Sie führen ihre Klienten nicht durch einen Prozess, sondern durch Denkräume. Sie erkennen, wann ein Raumwechsel fällig ist, wann die Gruppe im falschen Mindset feststeckt, wann die nächste Frage wichtiger ist als die nächste Antwort.
Die Störung im Zentrum des Modells ist dabei kein Problem, sondern der Ausgangspunkt. Jede strategische Arbeit beginnt mit einer Irritation – etwas stimmt nicht mehr, etwas hat sich verschoben, etwas will entstehen. Die Rooms geben dieser Irritation Struktur, ohne sie zu früh aufzulösen.
Details zur Anwendung der Strategy Rooms for Clients only.
»Strategie ist Klarheit im Denken. Und Konsequenz in der Entscheidung.«
Fragen? clarity (at) strategists.ch
>>>
Michael Geiss ist Stratege und Unternehmer. Sein Fokus: Geschäftsmodelle unter AI-Bedingungen und nachhaltige Transformation. Er schreibt über die systemischen Effekte von AI auf Strategie und Entscheidungslogik.
Essays und Reflexionen:
Strategie.Annäherung an einen schwierigen Begriff.